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Chronischer Schmerz - ein Teufelskreis

In der Schmerzforschung ist Deutschland führend, in der Therapie hinkt es noch immer hinterher. Fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen, bei 600 000 von ihnen hat sich der Schmerz zu einer eigenständigen Krankheit entwickelt, deren Behandlung schwierig und langtmig ist.
Trotzdem könnte den meisten Schmerzpatienten heute u.a. mit Opioiden geholfen werden, deren Einsatz leider immer noch zögerlich erfogt.
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Volkskrankheit Schmerz

Rund 7,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen. Chronische Schmerzen haben im Gegensatz zu akuten Schmerzen keine Warnfunktion, sondern selbständigen Krankheitswert und müssen auch als eigenständige Erkrankung behandelt werden. In Deutschland werden viele Schmerzpatienten nur unzureichend therapiert. Wirksame Medikamente und alternative Therapien werden zu selten eingesetzt. Oft greifen Schmerzgeplagte ausschließlich zur Selbstmedikation und nehmen dauerhaft frei verkäufliche Schmerzmittel ein. Damit riskieren sie langfristig schwere Magen- und Darmschäden. Bei unzureichend behandelten Patienten besteht zudem die Gefahr, dass eine Chronifizierung der Schmerzen entsteht.

Aktionswoche: Informationen für jedermann

Seit Jahren setzt sich die Deutsche Schmerzhilfe e.V. für eine Aufklärung der Bevölkerung ein, um auf diese Weise die Situation zu verbessern. Einen Schwerpunkt setzt in diesem Jahr die Aktionswoche in Apotheken. Gerade hier fragen Betroffene häufig um Rat. Vom 26. bis 31. März bieten die Apotheker daher umfangreiche Beratung an. Gemeinsam mit dem Patienten "messen" sie die Stärke der Schmerzen. Ein Fragebogen gibt Hinweise, ob eine behandlungsbedürftige Schmerz- erkrankung vorliegt. Eine Broschüre zum Mitnehmen fasst die wichtigsten Informationen zusammen. Zu sechs verschiedenen Schmerzerkrankungen (Arthroseschmerz, Nervenschmerz, Osteoporoseschmerz, Rheumaschmerz, Rückenschmerz, Tumorschmerz) können Interessierte bei der Deutschen Schmerzhilfe e.V. weiteres Material bestellen. Schmerzgedächtnis als Ursache Schmerzen werden als chronisch bezeichnet, wenn sie nach Wegfall der akuten Ursache dauerhaft weiterbestehen. Durch die ständigen Schmerzreize können sich die Nervenfasern in ihrer Struktur verändern. Es kommt zu einer Art "Schmerzgedächtnis" in den Nervenbahnen. Daraus resultiert, dass selbst schwächste Reize stärkste Schmerzen auslösen. Betroffen sind z.B. Menschen mit Rückenleiden, Gelenkerkrankungen oder nach Amputationen. Unabhängig vom ursprünglichen Auslöser gilt: Die Schmerzen müssen möglichst effektiv behandelt werden, um eine Chronifizierung zu stoppen oder dieser vorzubeugen.

Vielfältige Behandlungsformen

Bei Patienten mit chronischen Schmerzen empfehlen die Experten heute eine Behandlung nach dem Stufenplan der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das Schema sieht vor, bei nicht ausreichender Schmerzlinderung jeweils auf die nächste Stufe zu wechseln. Auf der I. Stufe verordnet der Arzt Schmerzmittel wie Diclofenac oder Metamizol. Auf Stufe II werden so genannte schwach wirksame Opioide (z.B. Tramadol, Tilidin) verordnet. Bei starken Schmerzen schließlich setzt man auf stark wirksame Stufe III-Opioide (z.B. Fentanyl, Morphin). Opioide hemmen die Weiterleitung der Schmerzimpulse im Rückenmark und im Gehirn. Dank moderner, retardierter Präparate sind diese Substanzen für die Schmerztherapie gut beherrschbar geworden. Retardierte Opioide setzen den Wirkstoff nur langsam frei und die Schmerzen werden langfristig gemildert. Die häufig befürchtete Suchtgefahr tritt bei sachgerechter Anwendung nicht auf. Am längsten - nämlich drei Tage - wirkt ein Pflaster, das den Wirkstoff Fentanyl über die Haut abgibt.
Chronische Schmerzpatienten benötigen - je nach Schmerzursache - neben der medikamentösen Therapie weitere, begleitende Therapiemaßnahmen. Eine erfolgreiche medikamentöse Schmerzbehandlung schafft z.B. die Voraussetzung für eine Bewegungstherapie. Je nach Schmerzursache werden auch andere begleitende Therapiemaßnahmen wie Krankengymnastik, Entspannungsübungen, Akupunktur oder psychotherapeutische Begleitung eingesetzt.

Chance nutzen

Niemand muss seine Schmerzen heute einfach ertragen. Mit den modernen Therapieformen ist Hilfe fast immer möglich. Die Patienten haben ein Recht auf eine angemessene Therapie. Nutzen Sie daher die Aktionswoche: Kommen Sie in die Apotheke und lassen sich informieren.

Weitere Informationen:
Bundesverband Deutsche Schmerzhilfe e.V.
Sietwende 20 21720 Grünendeich
Tel: 04142-810434
Fax: 04142-810435
EMail: schmerzhilfe@t-online.de

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Dr. KochDr. med. Marianne Koch, Präsidentin der Deutschen Schmerzliga e.V. Öffnet in neuen Fenster