Wissenswert


Allgemeines  -  Was ist überhaupt Homöopathie?

Von Homöopathie hat jeder schon mal etwas gehört, aber bei vielen beschränkt sich das Wissen auf die Tatsache, daß in den hochverdünnten homöopathischen Arzneimitteln biochemisch sehr wenig bis gar kein Wirkstoff nachzuweisen ist, was den "wissenschaftlich denkenden" Mediziner zu dem Schluß veranlaßt, daß von diesen Medikamenten auch höchstens eine Placebowirkung zu erwarten ist. Weil die Homöopathie aber einiges verspricht, was die Schulmedizin zur Zeit noch sucht - eine nebenwirkungsfreie Therapie und eine ganzheitliche Behandlung des Patienten statt bloßer Symptomkontrolle - lohnt es sich vielleicht, sich etwas genauer damit zu beschäftigen.

Die klassische Homöopathie wurde von einem Mediziner "erfunden", der sich seinerzeit gegen das wehrte, was heute der Homöopathie vorgeworfen wird zu sein: Eine wissenschaftlich nicht begründete, irrationale Medizin.
Samuel Hahnemann
warf den Ärzten des späten 18. Jahrhunderts vor, Krankheiten verschiedenster Art mit immer den gleichen Methoden zu behandeln, ohne genau zu wissen, was diese Techniken und Arzneien bewirken: Bei Magenschmerzen und Fieber wurden Brechmittel gegeben, um den Körper von schädlichen "Säften" zu befreien, viele Krankheiten, besonders Entzündungen, wurden auf einen Blutüberschuß zurückgeführt, den man mittels Aderlaß zu kurieren suchte, "Ableitung" hieß eine Therapieform, mit der man einem erkrankten Körperteil dadurch Erleichterung verschaffen wollte, daß man die Krankheit in einen anderen Teil des Körpers lockte.

Die Beobachtung, die zur Entwicklung der Homöopathie führte, machte Hahnemann eher zufällig. Beim Übersetzen eines Buches fand er eine Erklärung, warum Chinarinde als Heilmittel gegen Malaria wirkt. Weil er mit der beschriebenen Wirkweise nicht einverstanden war, machte er einen Selbstversuch: Er verzehrte Chinarinde und stellte fest, daß die Einnahme beim Gesunden Symptome hervorruft, die denen der Malaria sehr ähnlich sind. Daraufhin führte er weitere Versuche mit verschiedenen Substanzen an gesunden Testpersonen durch, bei denen er immer wieder feststellte, daß Stoffe, die als Arzneien gegen bestimmte Krankheiten eingesetzt werden, an Gesunden Symptome hervorrufen, die denen der Krankheit sehr ähnlich sind. Nun begann er systematisch zu forschen und eine "Materia medica" zu erstellen, d.h. einen Katalog von Substanzen und den Symptomkombinationen, die diese bei Gesunden hervorrufen. Anhand dieser charakteristischen Symptomkombinationen, den "Arzneimittelbildern", wählte er nach genauer Untersuchung eines Patienten das Mittel aus, dessen Wirkung den Symptomen des Patienten am ähnlichsten war.

Der Patient erhielt das Mittel in verdünnter Form, und beim Experimentieren mit verschiedenen Verdünnungsfaktoren stellte Hahnemann paradoxerweise fest, daß die Wirkung der verabreichten Arzneistoffe mit steigender Verdünnung und Verschüttelung ("Potenzierung") zunahm. Diese Beobachtung ist mit dem heute verbreiteten Weltbild nicht erklärbar - Hahnemann kam zu der Theorie, daß Krankheit des materiellen Körpers auf einer immateriellen, geistigen, "dynamischen" Ebene ihren Ursprung hat, und die immer höher verdünnten Arzneimittel nicht den Körper, sondern eben diese dynamische Ebene beeinflussen. Dabei ist bei der Verdünnung eine bestimmte Vorgehensweise einzuhalten, die die im Arzneistoff enthaltene chemische Information auf die dynamische Ebene überträgt und dem zugefügten Wasser aufprägt.

Bei höchsten Verdünnungsstufen ist es tatsächlich unwahrscheinlich, daß sich auch nur noch ein einziges Molekül der Ausgangssubstanz im Medikament befindet, aber die Information des Heilmittels ist auf das Wasser übergegangen - und kann als dynamischer Reiz die Autoregulation des Organismus gegen die Krankheit mobilisieren.

Die Tatsache, daß Wasser nicht bloß Wasser ist, sondern als Informationsspeicher dienen kann, ist übrigens mittlerweile sogar wissenschaftlich nachgewiesen: Nach neueren physikalischen Studien schwimmen Wassermoleküle nicht einfach ungeordnet durcheinander, sondern bilden durch elektromagnetische Kopplung sogenannte "Cluster", die aus jeweils um die 400 Molekülen bestehen und sich nach Zugabe einer Substanz zu reinem Wasser zu neuen charakteristischen Clustern umordnen - das würde erklären, wie in biochemisch reinem Wasser durchaus noch eine Information des Arzneimittels vorhanden sein kann. Daß diese Information dann auf einer anderen als der biochemischen Ebene wirken muß, ist klar, und was es jenseits der Biochemie noch am Menschen gibt, das haben die Mediziner bis jetzt meist den Psychologen und Biophysikern zu erforschen überlassen. Die Physiker wissen auch, daß jeder Mensch ein eigenes elektromagnetisches Feld besitzt, das sich aus den Schwingungen der einzelnen Zellen, Moleküle und letztlich Elektronen zusammensetzt, und biophysikalische Untersuchungen weisen darauf hin, daß die elektromagnetischen Felder homöopathischer Arzneimittel diese körpereigenen Schwingungen beeinflussen können.

Trotzdem bleibt dieser Behandlungsansatz der Schulmedizin suspekt - wohl auch deshalb, weil durchgeführte Doppelblindstudien die Wirksamkeit homöopathischer Medikamente nicht beweisen konnten. Vielen dieser Studien lag allerdings auch ein grundsätzliches Unverständnis der Vorgehensweise der Homöopathie zugrunde, oder anders gesagt: Die Homöopathie paßt nicht in diese Art von Studie. Es wurde zum Beispiel ein homöopathisches Mittel getestet, zu dessen Arzneimittelbild Kopfschmerz gehört. Dieses Mittel wurde placebokontrolliert einer Menge Kopfschmerzpatienten verabreicht, und man stellte gegenüber der Placebogruppe keine signifikante Wirksamkeit fest.

Wenn man aber bedenkt, daß zum Arzneimittelbild dieser Substanz nicht nur Kopfschmerz, sondern noch viele weitere Symptome gehören, die die Patienten der Studie wahrscheinlich nicht alle aufwiesen (weil sie ausschließlich aufgrund ihrer Kopfschmerzen ausgewählt wurden), dann war aus homöopathischer Sicht dieses Medikament für viele der Patienten schlicht fehlindiziert. Ein homöopathischer Arzt hätte nach einer eingehenden Untersuchung und Befragung der Patienten wohl verschiedene, zu den jeweils individuellen Symptomkomplexen passende Arzneimittel verschrieben. Größere epidemiologische Studien, die die Behandlungserfolge homöopathisch arbeitender Ärzte mit denen von "normalen" Schulmedizinern vergleichen würden, stehen noch aus.

Warum also sollte sich ein Schulmediziner, der an der Uni doch mit recht einleuchtenden Theorien zu Genese und Therapie von Krankheiten versorgt wird, mit etwas beschäftigen, was dem Weltbild von Biochemikern und Physiologen teilweise heftigst widerspricht? Vielleicht, weil bei einer steigenden Zahl von Patienten mit funktionellen Störungen die Schulmedizin kein einzelnes Organ ausfindig machen kann, das es zu behandeln gilt, und für systemische Therapien keine befriedigenden Ideen hat. Oder, weil homöopathische Arzneimittelbilder auch psychische Symptome beinhalten und somit für die Homöopathie die unselige Trennung zwischen "handfesten körperlichen Symptomen" und psychischen Phänomenen nicht existiert. Oder, weil es einem merkwürdig vorkommt, daß viele Krankheiten nach einer Antibiotika-Therapie bald wieder auftauchen, weil der Körper es offenbar nicht gelernt hat, sich dagegen zu wehren. Oder, weil man einfach seinen Horizont etwas erweitern will.

© Homöopatischer Arbeitskreis an der med. Fakultät der Universität Saarbrücken / Homburg (Saar)

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Grundlagen der Homöopathie

Um auch giftige Substanzen problemlos verwenden zu können, entwickelte Hahnemann eine spezielle Methode der stufenweisen Verdünnung, das sogenannte Potenzieren. Die entstandenen Verdünnungen nennt man Potenzen, wobei mit steigender Verdünnung die Arzneikraft zunimmt.

Das Zeichen D (= Dezimalpotenz) kennzeichnet die im Verhältnis 1:10, das Zeichen C (= Centesimalpotenz) die im Verhältnis 1:100 hergestellten Potenzen.

LM- oder Q-Potenzen sind Verdünnungen im Verhältnis 1:50 000. Zum Verdünnen der flüssigen Potenzen nimmt man Alkohol, die Potenzierung von Verreibungen erfolgt mit Milchzucker.

Für die Selbstmedikation im akuten Fall geeignet sind Arzneimittel niedriger Potenzen (bis C/D 12), Arzneimittel hoher Potenzen sollten einem erfahrenen Therapeuten vorbehalten bleiben.

Beachten Sie, dass die Wahl der Potenz zweitrangig ist, wesentlich wichtiger ist es, das richtige Mittel zu finden. Dazu muss der ganze Mensch betrachtet werden, denn die Homöopathie behandelt nicht einzelne Krankheiten oder Organe, sondern den ganzen Menschen, der aus dem Gleichgewicht geraten ist. Mit der Behandlung werden auf natürlicher Basis die körpereigenen Abwehrkräfte angeregt.

Homöopathische Arzneimittel dürfen nur in Apotheken verkauft werden und sind meistens ohne Rezept erhältlich.

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Was erwartet Sie bei einer homöopathischen Behandlung?

Zu Beginn der Behandlung nimmt der Homöopath ausführlich die Krankheitsgeschichte des Patienten auf, um anhand der Symptome (d.h. körperlich, seelisch und geistig) das für den Patienten individuell passende Arzneimittel herauszuarbeiten. So erklärt sich auch, warum bei einer homöopathischen Behandlung - wie Hahnemann sie lehrte - immer nur ein Medikament verabreicht wird, bis sich evtl. das Krankheitsbild geändert hat.

Dabei interessieren nicht nur die aktuellen Beschwerden, sondern auch frühere Erkrankungen und Besonderheiten, die dem Patienten auffallen oder ihn belasten. Bei Fragen oder Unklarheiten während der ganzen Behandlung ist es wichtig, mit dem Homöopathen Rücksprache zu nehmen. Dies gilt auch, wenn im Verlauf einer chronischen Behandlung akute Erkrankungen auftreten.


Um den Heilungsverlauf nicht zu beeinflussen, gibt es einige Dinge, die Sie während der Behandlung je nach Mittel meiden oder reduzieren sollten. So sind z.B. Coffein, starke Essenzen wie Kampfer, Pfefferminze (Menthol), Kamille, Taurin, Amphetamine und z.B. auch Nikotin/Cannabis alles Wirkstoffe, die zwar den Weg länger machen, aber Sie nicht davon abhalten sollten, zum Homöopathen zu gehen. Kompromisse sind im Leben häufig unumgänglich. Hier ist es wichtig abzuwägen, welche Kompromisse zu welchen Folgen führen können.

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Allgemeine Tipps zur Selbstmedikation

Homöopathische Arzneimittel sind als Tropfen, Tabletten und Kügelchen (Globuli) erhältlich. Geben Sie das Präparat im akuten Fall alle zwei Stunden, nach Besserung dreimal täglich (Normaldosis).

Man gibt einem Erwachsenen 5-10 Globuli, 5-10 Topfen oder 1-2 Tabletten, einem Schulkind 5 Globuli, 5 Tropfen oder 1 Tablette und einem Kleinkind 3 Globuli oder eine halbe Tablette, eventuell in Wasser gelöst.

Homöopathische Arzneimittel wirken über die Mundschleimhaut. Deshalb ist es empfehlenswert, Lösungen etwa eine Minute im Mund zu behalten bzw. Globuli oder Tabletten im Mund zergehen zu lassen. Nehmen Sie ein Präparat nicht direkt vor oder nach dem Essen, Trinken, Rauchen oder Zähneputzen, damit es optimal wirken kann.

Wir bedanken uns bei der Deutschen Homöopathie-Union für die freundliche Unterstützung. Über www.dhu.de erhalten Sie weitere Informationen, Broschüren, usw. Das Kundenmagazin "Gesund durch Homöopathie" erhalten Sie in unserer Apotheke.

Grundlagen der Homöopathie in aponet.de

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Homöopathie in Europa

Heilung oder Humbug?

Es gibt kaum eine alternative Heilmethode, über die so heftig gestritten wird wie über die Homöopathie, und doch findet sie in Europa immer mehr Anhänger. Allein in Deutschland haben sich 4500 Mediziner zu Homöopathen ausbilden lassen. Während die Kritiker der Homöopathie jede Wirksamkeit absprechen und ihre Erfolge auf den Placeboeffekt zurückführen, hält sie mehr und mehr Einzug in Universitätskliniken und wird wissenschaftlich untersucht – mit überraschend positiven Ergebnissen. Ärzte des Sozialmedizinischen Instituts der Berliner Charité führten zwei Jahre lang eine bundesweite Studie mit 500 Patienten und deren Ärzten durch. Das Resultat: Im Vergleich zur Schulmedizin schnitt die Homöopathie mindestens gleich gut ab, teils sogar besser. Bei über der Hälfte der Befragten besserten sich die Beschwerden durch die homöopathischen Mittel.

Insgesamt belegen über 60 Prozent der bisher weltweit durchgeführten klinischen Studien, dass homöopathische Tropfen und Globuli besonders bei chronischen Erkrankungen helfen – unter anderem bei Allergien, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Hautkrankheiten wie Neurodermitis. Sogar bei Krebskranken konnten die Mediziner erste Erfolge erzielen. Zum Beispiel an der Homöopathischen Krebsklinik in Bad Imnau.

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Homöopathie - Methode und Historie

Der Geburtstag von Samuel Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie, jährte sich am 10. April bereits zum 250sten Mal, und noch heute arbeiten die klassischen Homöopathen streng nach den Vorgaben des Arztes und Apothekers aus dem 18ten Jahrhundert. Auch die homöopathischen Medikamente werden noch immer nach seinen Maximen produziert.
Hahnemann entwickelte die Methode, nachdem er schon während seines Medizinstudiums mit den etablierten Heilmethoden seiner Zeit unzufrieden war. Nach seinem Studienabschluss begann er zu forschen und formulierte schließlich nach einer Reihe von Selbstexperimenten und Versuchsreihen mit Probanden das bekannte Ähnlichkeitsprinzip: "Similia Similibus Currentur", Ähnliches mit Ähnlichem heilen. Anstatt eines „Gegenmittels” wird nach seiner Methode ein Mittel verordnet, das ein ähnliches Leiden hervorrufen kann wie das zu heilende. So sollen beispielsweise Ursubstanzen wie die Chinarinde in hochverdünnter Form gegen Fieber helfen.
Das Geheimnis der homöopathischen Heilung: Die Krankheitssymptome werden als Abwehrmechanismen gedeutet, die der Körper selbst mobilisiert, um mit einer Störung fertig zu werden. Der Homöopath will den Selbstheilungsprozess unterstützen, anstatt nur die Symptome zu bekämpfen.
Hahnemanns Experimente mit Chinarinde bildeten das Fundament der Homöopathie. In langen Versuchsreihen setzte er die Dosis seines Medikaments herunter, bis der Ausgangsstoff gegen Null ging. Je geringer die Dosis der Ausgangssubstanz, so Hahnemann, desto größer ihre heilende Wirkung. Die Ausgangsbasis vieler homöopathischer Medikamente sind somit die krankmachenden Substanzen selbst, sogar Gifte wie das der Tollkirsche, der Kreuzotter oder Arsen, jedoch in extrem stark verdünnten Konzentrationen, sogenannten Potenzen. Dabei ist das spätere Mittel so extrem stark verdünnt, dass nichts mehr von der Ausgangssubstanz nachzuweisen ist. Die verdünnte Lösung ist somit nicht mehr giftig, aber genau deshalb konnte auch kein Wissenschaftler in homöopathischen Lösungen und Milchzuckerkügelchen bisher auch nur ein wirksames Molekül finden. Kritiker meinen: Wo nichts ist, kann auch nichts wirken.

Homöopathie an der Münchner Universitäts-Kinderklinik
Trotzdem schwören immer mehr Ärzte und Patienten auf die alternative Heilmethode. So auch Sigrid Kruse, homöopathische Ärztin an der Universitäts-Kinderklinik München. Vor zehn Jahren startete sie hier ein Modellprojekt zur Homöopathie. – Für Eltern, Kinder und Ärzte zunächst ein Experiment – doch in den letzten Jahren ließen sich viele darauf ein. Sogar in besonders ernsten Notfällen - auf der Intensivstation der Kinderklinik - arbeitet das Krankenhaus inzwischen komplementär mit beiden Methoden. Schulmedizin und Homöopathie schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich.

Homöopathie in Europa
Derzeit ist die Homöopathie die beliebteste Alternativtherapie in Deutschland – noch vor der Akupunktur, dabei werden die Kosten der Behandlung hier meist nur von privaten Krankenkassen übernommen. 4500 deutsche Mediziner haben sich zu Homöopathen ausbilden lassen, doch auch in anderen europäischen Ländern wächst die Verbreitung der sanften Heilmethode. In Großbritannien übernimmt die öffentliche Gesundheitsversorgung 100% der Kosten, dort gibt es inzwischen fünf auf Homöopathie spezialisierte Kliniken, in Frankreich hat sich seit Jahrzehnten mit der sogenannten „homéopathie clinique“ ein eigener Zweig der Homöopathie entwickelt. Lange Zeit wurden in Frankreich 85% der Arzneikosten erstattet, Anfang vergangenen Jahres wurde der Satz allerdings auf 35% gesenkt. Belgische Patienten bekommen zwischen 25 und 100% der Kosten erstattet, abhängig von der Wahl ihrer Krankenkasse.
Unabhängig davon ist allen Ländern das ausführliche Anamnesegespräch ein zentraler und unverzichtbarer Bestandteil der Homöopathie. Meist erhebt der Homöopath bis zu zwei Stunden lang eine sehr zeitaufwendige Anamnese, bei der es nicht nur um die Beschwerden, sondern um das Individuum als Ganzes geht. So erklärt sich, dass zwei Menschen mit der gleichen schulmedizinischen Diagnose trotzdem oft unterschiedlich behandelt werden.
Im Gegensatz zu Frankreich/Belgien dürfen z.B. in England und Deutschland auch „Nicht-Ärzte“ homöopathisch behandeln. In Deutschland waren es die Heilpraktiker, die über lange Zeit alleine dafür sorgten, dass die Methoden der Homöopathie nicht in Vergessenheit gerieten.

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Für die Homöopathie beginnt eine neue Ära


Gesetzliche Krankenkassen übernehmen Kosten / Aufwendige Produktion / Von Adrienne Lochte
Frankfurter Allgemeine vom 23. September 2001 / Seite 41

FRANKFURT. Kaum einer mag ihn vernommen haben, den Jubelruf einer kleinen, aber längst nicht mehr unbedeutenden Gruppe von Medizinern. Mit einem „Wir sind drin!" feierten die homöopathischen Ärzte vor kurzem einen Sieg, der einer nunmehr 200 Jahre alten Heilkunde im deutschen Gesundheitswesen den Durchbruch bringen könnte: In der neuen Gebührenordnung wird die Homöopathie ein eigenes Kapitel bekommen. Das bedeutet, daß Ärzte mit der entsprechenden Zusatzqualifikation von Mitte nächsten Jahres an homöopathische Behandlungen bei den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen können, wie Christoph Trapp, Pressesprecher des Deutschen Zentralver­eins Homöopathischer Ärzte in Bonn, feststellt. Er hält dies für eine „enorme Anerkennung".

In Deutschland haben etwa 4000 Ärzte (gut ein Prozent der Berufsgruppe) die in der Regel drei Jahre dauernde Ausbildung absolviert. Sie verfolgen mithin den Denkansatz Samuel Hahnemanns (1755 bis 1843), der sich mit der Grundregel „Ähnliches mit Ähnlichem heilen" umreißen läßt. In einem Organismus, so seine These, könnten nicht gleichzeitig zwei den Symptomen nach ähnliche Krankheiten existieren - diese würden sich gegenseitig aufheben. Bekomme ein Kranker also eine Substanz, die eine künstliche Krankheit mit ähnlichen Symptomen hervorrufe, werde er geheilt. „Die Suche nach dem Mittel ist wie ein Krimi", erläutert Trapp. Der Arzt müsse das Richtige finden, sonst wirke es nicht.

Unter den alternativen Heilmethoden ist die Homöopathie in Deutschland die beliebteste - dies hat eine im Mai veröffentlichte Umfrage ergeben, die von der Apotheken-Umschau in Auftrag gegeben worden war. Danach ließen sich 37 Prozent der Deutschen schon einmal homöopathisch behandeln. Von diesen wiederum gaben 80 Prozent an, sie hätten eine nachhaltige Linderung ihrer Beschwerden erfahren. Weiter ergab die Studie, daß vor allem jüngere Menschen und insbesondere Frauen der alternativen Methode gegenüber aufgeschlossen seien.

„Wir sind ein schwerer Bocken für die übrige pharmazeutische Industrie", meint Andreas Zenner, Vorsitzender des Bunds klassischer Homöopathen Deutschlands in Kirchheim. Die Medikamente kosteten nur „Pfennige", wirkten aber wochenlang oder würden gar nur ein einziges Mal verabreicht. Und sie hätten keine Nebenwir­kungen. Auch bei chronischen Krankheiten wie beispielsweise Allergien und Rheuma helfen sie Zenner zufolge. „Die Schulmedizin kommt hier nicht weiter."

Daß die traditionelle Pharmaindustrie vor der Homöopathie deshalb geradezu zittert, kann jedoch niemand ernsthaft behaupten. Für den Branchenriesen Aventis Pharma in Frankfurt spricht Felicitas Feick geradezu freundschaftlich von einer „Ergänzung". Und Jan Sombroek, Mitglied der Geschäftsleitung der Merck KGaA, verweist darauf, daß sich die Homöopathie wissenschaftlich nicht einmal begründen lasse. Er fügt aber hinzu: „Es bleibt das Phänomen: Das Zeug wirkt."

Als Anbieter der in der klassischen Homöopathie eingesetzten Einzelmittel tummeln sich auf dem deutschen Markt gerade einmal eine Handvoll Unternehmen. Uneingeschränkter Marktführer ist die Deutsche Homöopathie Union (DHU) in Karlsruhe - vor Staufen-Pharma in Göppingen, Arcana Arzneimittel in Gütersloh, Ceres Heilmittel in Kerpen und dem Homöopathischen Labor Gudjons in Stadtbergen. 370 Mitarbeiter erwirtschaften bei der DHU nach den Worten von Franz Stempfle, Mitglied der Geschäftsleitung, einen Jahresumsatz von 100 Millionen Mark. Das seien 80 Prozent mehr, als die Mitbewerber zusammen erbringen würden. Insgesamt wachse der Absatz der Branche jährlich um zwei bis drei Prozent.

Die Erträge der homöopathischen Arzneimittelproduzenten sind allerdings nicht so hoch wie die der übrigen Pharmaindustrie. Das liegt zum einen daran, daß homöopathische Mittel auf den Patienten recht individuell zugeschnitten sind, was dazu führt, daß die DHU 450 000 Produkte im Angebot hat, die zudem manuell hergestellt werden - was wiederum „sehr personalintensiv" sei, sagt Stempfle. Schwierigkeiten bereite aber auch der Gesetzgeber, der die „Eigenart" der Homöopathie nicht berücksichtige. So sei zum Beispiel seit August im Arzneimittelgesetz verankert, daß jedes Mittel mit einem Beipackzettel versehen werden müsse - bisher reichte schlicht der Name auf einem Gläschen mit Globuli (Kügelchen). Die damit einhergehende Umstellung (Bau eines weiteren Lagers, Papierbedarf, neues EDV-System) koste die DHU mehr als 10 Millionen Mark. „Es gehört viel Idealismus und Traditionsbewußtsein dazu, dieses Geschäft zu betreiben", gibt Stempfle zu. Seine mittelständischen Mitbewerber sieht er durch solche Entscheidungen in ihrer Existenz bedroht.

So weit ist es bei der Firma Arcana, einem Familienunternehmen mit 15 Mitarbeitern, noch nicht, wie Herstellungsleiter Michael Grün versichert. Allerdings leide der Betrieb kräftig unter den hohen Zulassungskosten, die das Bundesamt für Arzneimittelwesen und Medizinprodukte in Bonn erhebt. Die Produktion einiger selten nachgefragter Mittel lohne sich finanziell daher nicht mehr, 50 Präparate seien schon aufgegeben worden - zum großen Nachteil der Patienten.

Um „lebenswichtige Arzneimittel" bangen Patienten und Homöopathen, seit die jüngste Novelle des Arzneimittelgesetzes von den Herstellern verlangt, in Medikamenten tierischen Ursprungs Keim- und Virusfreiheit nachzuweisen. Die Regelung, so heißt es in Branchenkreisen, sei zwar vor dem Hintergrund der BSE-Krise nachvollziehbar, die Substanz würde aber durch einen derartigen Nachweis in ihrer Struktur und damit in ihrer Wirksamkeit zerstört. Die Einflußmöglichkeiten des Berufsstandes auf die Gesetzgeber könnten mit der geregelten Abrechnung der Homöopathie in der gesetzlichen Krankenversicherung künftig steigen. Modellprojekte mit Krankenkassen haben nach Trapps Bekunden gezeigt, daß eine homöopathische Behandlung die Arzneikosten verringere und die Zahl der Krankenhauseinweisungen reduziere.

Erstmals hat zudem die Homöopathie in Deutschland auch die Forschung in die eigene Hand genommen. Bisher gibt es hierzulande keinen Lehrstuhl für die Heilmethode. Im April aber wurde das Europäische Institut für Homöopathie in Köthen in Sachsen-Anhalt ins Leben gerufen, das Grundlagen- und klinische Forschung betreiben sowie eine Datenbank aller homöopathischen Arzneimittel aufbauen soll. Finanziert wird das Institut unter anderem über die gleichzeitig gegründete Stiftung für Homöopathie des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte.

Was den Homöopathen nach eigenem Bekunden immer mehr Patienten zutreibt, sind nicht zuletzt die Beipackzettel in den Produkten der chemischen Industrie. „Der Patient ist ja schon tot, bevor er den gelesen hat", meint Stempfle von der DHU. Hinzu komme, daß die Menschen immer empfindlicher auf herkömmliche Medikamente, wie zum Beispiel Antibiotika, reagierten. Dennoch warnt er davor, die Homöopathie als Allheilmittel zu betrachten: „Einen akuten Blinddarm muß man operieren und ein gebrochenes Bein nageln."

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Hahnemann2005 - Das Geburtstagsjahr Hahnemanns

Als Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, vor 250 Jahren das Licht der Welt erblickte, hätte er sich sicherlich nicht träumen lassen, in welch herausragender Weise er einmal in die Geschichte der Medizin eingehen würde. So verwundert es nicht, dass ein Vierteljahrtausend nach seiner Geburt gerade im "Mutterland" der Homöopathie, in Deutschland, dieser runde Geburtstag eine ganz besondere Beachtung findet. So wurde der Jubilar mit einer Vielzahl von Veranstaltungen und Aktionen geehrt, die sich an ein homöopathisches Fachpublikum wie Ärzte und Heilpraktiker, aber auch an die große Zahl begeisterter Homöopathie-Anwender richteten, für die diese sanfte Heilmethode ein verlässlicher Begleiter in ihrem Leben geworden ist.

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